2026 fühlt sich an wie ein Jahr, in dem wir weniger Ziele brauchen

2026 fühlt sich an wie ein Jahr, in dem wir weniger Ziele brauchen – und mehr Ungewissheitskompetenz.

2026 fühlt sich an wie ein Jahr, in dem wir weniger Ziele brauchen – und mehr Ungewissheitskompetenz.

Ich nehme mir vor, mein persönliches Deutungsdelirium zu drosseln: Nicht jedes Signal ist ein Omen, nicht jede Stimmung ein Trend, nicht jede Timeline eine Diagnose.

Die Empörungsgesellschaft liefert zuverlässig Furor frei Haus – samt kollektiver Affektinkontinenz. Und irgendwo dazwischen rührt jemand weiter Begrifflicher Babybrei an, bis selbst klare Sätze eine Behaglichgkeitsstörung bekommen.

Meine heimliche Hoffnung: mehr Ambiguitätstoleranz statt reflexhaftem Recht-haben. Mehr Kognitive Defusion statt Gedanken-Identifikation („Ich denke es“ ist nicht „Es ist“).

Und ja: weniger Curling Eltern in mir selbst – dieser innere Hausmeister, der jede Reibung sofort wegpoliert, bis am Ende nur noch Zugewandte Unverbundenheit übrig bleibt: nett, korrekt, aber ohne Kontakt.

Ich will 2026 die Konträrfaszination kultivieren: Menschen aushalten, die mich triggern, ohne gleich ein Tribunal zu eröffnen. Ein bisschen Kontraphobisch bleiben – also nicht vor dem Widerspruch fliehen, sondern ihn als Trainingsgerät nutzen.

Und mein Salon-Idealismus darf gern leiser werden, dafür praxisnäher.

Vielleicht hilft mir dabei sogar eine Prise Objektorientierte Ontologie: Dinge sind auch einfach Dinge – nicht alles ist Symbol, Botschaft oder Beziehungstest.

Mein Plan: dem Jahr einen kleinen Effet. (Aus dem Französischen. Das ist der Drall, den man durch seitliches Treten dem Ball geben kann, so dass er eine überraschende Bahn fliegt.) Nicht mehr Tempo, sondern mehr Richtung.

Weniger Emotionale Pflegekraft für fremde Nervensysteme – mehr Verantwortung für mein eigenes.

Und wenn’s komplex wird: keine Systemische Struktursimulation, sondern echte Gespräche.

Auf ein Jahr mit mehr Kontakt, weniger Theater – und einem eleganten Drall.

  • 1. Januar 2026