Grundlagen Theatermarketing
Theatermarketing | Theater-Marketing: Methoden und Praxisbeispiele Theater Marketing Marketing Forum Marketing Marketing und Management
Die Welt der darstellenden Künste befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel der sowohl die künstlerische Produktion als auch die betriebswirtschaftliche Steuerung betrifft. In diesem komplexen Umfeld hat sich das Theatermarketing als eine unverzichtbare Disziplin etabliert die weit über den bloßen Kartenverkauf hinausgeht. Es handelt sich um einen ganzheitlichen Ansatz der die Bedürfnisse des Publikums ins Zentrum aller strategischen Überlegungen stellt. Die Notwendigkeit einer professionellen Ausrichtung ergibt sich vor allem aus dem zunehmenden Wettbewerb um Besucher der durch ein Überangebot an Freizeitaktivitäten und digitalen Unterhaltungsformaten befeuert wird. Wer heute ein Theater erfolgreich führen möchte muss die Regeln des Marktes verstehen ohne die künstlerische Integrität zu opfern. Ein souveränes Marketing fungiert hierbei als Brücke zwischen der Bühne und der Gesellschaft. Was das in der Praxis bedeutet, beschreibt das Interview zum Theatermarketing. Es erfordert eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und den Erwartungen einer heterogenen Zuschauerschaft. Dabei zeigt sich dass Kommunikation kein einmaliges Ereignis sondern ein fortlaufender Prozess der Analyse und Anpassung ist. Die Professionalisierung in diesem Bereich ist die Antwort auf die ökonomischen Realitäten einer modernen Kulturlandschaft.
Die theoretischen Säulen und die Marketingkonzeption für Theater im modernen Kulturbetrieb
Um ein solides Fundament für den Erfolg zu legen müssen wir uns zunächst mit den konzeptionellen Grundlagen beschäftigen die den Rahmen für alle weiteren Schritte bilden. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema wurde maßgeblich durch Expertinnen wie Andrea Hausmann geprägt die den Transfer von klassischen Marketingtheorien in den Kulturbereich vorangetrieben hat. Eine durchdachte Marketingkonzeption für Theater beginnt immer mit einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation und einer klaren Definition der eigenen Mission. Hierbei geht es nicht nur um ökonomische Kennzahlen sondern um die Frage welchen gesellschaftlichen Auftrag die Institution erfüllen möchte. Die konzeptionellen Grundlagen umfassen dabei die Analyse von Stärken und Schwächen sowie die Identifikation von Marktchancen. In einer Zeit in der die öffentlichen Mittel knapper werden ist eine strategische Planung lebensnotwendig geworden. Nur wer seine Ziele klar definiert kann diese auch effizient verfolgen und gegenüber Zuwendungsgebern rechtfertigen. Die theoretische Fundierung schützt das Theater zudem vor kurzfristigem Aktionismus der oft mehr Ressourcen verbraucht als er einbringt. Es geht darum eine langfristige Vision zu entwickeln die das Haus unverwechselbar macht. Diese konzeptionelle Arbeit ist die geistige Vorarbeit ohne die jedes operative Handeln im Leeren verlaufen würde. Die allgemeinen Grundlagen des Kulturmarketings gelten auch hier, müssen aber an die spezifischen Bedingungen der Bühne angepasst werden.
Strategische Informationsgewinnung als Informationsgrundlagen des Theatermarketing für datenbasierte Entscheidungen
Ein erfahrener Marketingexperte weiß dass Bauchgefühl allein in der heutigen Zeit nicht mehr ausreicht um komplexe Entscheidungen zu treffen. Die Informationsgrundlagen des Theatermarketing bilden die Basis auf der alle weiteren Planungen aufbauen und die Sicherheit in der Umsetzung garantieren. Hierbei spielt die Besucherforschung eine zentrale Rolle da sie wertvolle Erkenntnisse über die Struktur und die Vorlieben des Publikums liefert. Durch eine gezielte Besucherbefragung lassen sich Motive für den Theaterbesuch sowie Barrieren die potenzielle Gäste abschrecken identifizieren. Neben der Primärforschung ist die Sekundärmarktforschung ein wichtiges Instrument um bereits vorhandene Daten aus Statistiken oder Studien für die eigenen Zwecke nutzbar zu machen. Ein datengetriebener Ansatz, wie er im B2B-Marketing längst Standard ist, kann auch im Theatermarketing den Unterschied machen. Diese Daten helfen dabei Trends frühzeitig zu erkennen und das Programm oder den Service entsprechend anzupassen. Es ist essenziell zu verstehen wer die Menschen sind die das Haus besuchen und warum andere dem Theater fernbleiben. Nur durch diese Informationstiefe lässt sich eine zielgruppengerechte Ansprache entwickeln die wirklich Resonanz erzeugt. Die systematische Sammlung und Auswertung von Informationen ist somit kein Selbstzweck sondern dient der Risikominimierung. In einem Markt der durch Volatilität geprägt ist wird Wissen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil der Theaterbetriebe.
Die strategische Ausrichtung und die Formulierung und Umsetzung der Marketingziele im Wettbewerbsgefüge
Nachdem die Informationsbasis geschaffen wurde folgt die Formulierung und Umsetzung der Marketingziele die als Kompass für das gesamte Haus dienen. Diese müssen dabei realistisch messbar und zeitlich definiert sein um ihre steuernde Wirkung voll entfalten zu können. Die Koordination und Steuerung des Theatermarketing erfordert eine enge Abstimmung zwischen der künstlerischen Leitung und der Marketingabteilung um Synergien zu nutzen. In diesem Prozess werden die Ziele und Strategien sowie das praktische Instrumentarium festgelegt mit dem die gewünschten Wirkungen am Markt erzielt werden sollen. Es geht darum sich im Wettbewerbsumfeld klar zu positionieren und Alleinstellungsmerkmale hervorzuheben. Die Umsetzung der Marketingziele und -strategien verlangt Disziplin und eine konsequente Ausrichtung aller Aktivitäten an der gewählten Marschroute. Dabei muss berücksichtigt werden dass strategische Entscheidungen oft eine langfristige Wirkung haben und nicht von heute auf morgen revidiert werden können. Eine klare Strategie gibt den Mitarbeitern Orientierung und sorgt für ein konsistentes Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. In einem Umfeld das von Sparzwängen und Zuschusskürzungen geprägt ist hilft eine starke Strategie dabei Prioritäten richtig zu setzen. Die strategische Arbeit ist somit der Kern der unternehmerischen Führung eines Theaterbetriebes.
Operative Umsetzung und die Koordination und Steuerung des Theatermarketing im täglichen Betrieb
Die Theorie muss in die Praxis überführt werden was uns zum operativen Marketingmix und den verschiedenen Instrumenten führt. Die Koordination und Steuerung des Theatermarketing auf der operativen Ebene umfasst die Gestaltung der Kern- und Zusatzleistungen des Hauses. Hierzu gehört nicht nur das künstlerische Programm selbst sondern auch der gesamte Serviceprozess vom Ticketkauf bis zur Gastronomie in der Pause. Die Verkaufsförderung und die Preisgestaltung sind weitere wichtige Stellschrauben um die Auslastung zu optimieren und neue Besuchergruppen zu erschließen. In der Kommunikation müssen moderne Wege beschritten werden die über das klassische Plakat hinausgehen und die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen. Auch das Sponsoring und Fundraising gewinnen als ergänzende Finanzierungsquellen an Bedeutung und müssen professionell betreut werden. Alle Marketingaktivitäten müssen aufeinander abgestimmt sein um ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen und Streuverluste zu vermeiden. Dies erfordert eine präzise Planung und eine ständige Kontrolle der Ergebnisse um bei Abweichungen schnell gegensteuern zu können. Die operative Exzellenz ist das was der Besucher letztlich wahrnimmt und was seine Bindung an das Haus festigt. Ein gut funktionierendes operatives Marketing ist der Motor der den Theaterbetrieb am Laufen hält.
Die organisatorische Verankerung und der Denk- und Führungsstil in modernen Kulturinstitutionen
Marketing ist keine Aufgabe die man einfach an eine einzelne Abteilung delegieren kann sondern es muss als Denk- und Führungsstil im gesamten Haus verankert sein. Die erfolgreiche Umsetzung einer Marketingstrategie hängt maßgeblich davon ab ob die Theaterleitung und die Mitarbeiter und Führungskräfte im Theater hinter dem Konzept stehen. Die organisatorische Verankerung entscheidet darüber wie schnell und flexibel das Haus auf Marktveränderungen reagieren kann. Es bedarf einer Kultur der Offenheit und der Bereitschaft zur Veränderung um die Umsetzung von Publikumsorientierung wirklich zu leben. Publikumsorientierung ist dabei die Implementierung einer Geisteshaltung die den Gast nicht als Bittsteller sondern als Partner begreift. Dies erfordert oft einen Bruch mit traditionellen hierarchischen Strukturen und die Förderung von interdisziplinärer Zusammenarbeit. Nicht jedes Haus kann oder will eine Vollzeit-Marketingleitung einstellen – hier kann ein Fractional CMO die strategische Lücke schließen. In Kulturinstitutionen die sich als lernende Organisationen verstehen wird Marketing als integraler Bestandteil der Qualitätsentwicklung gesehen. Wenn das gesamte Team versteht dass es dazu dient die Kunst zu ermöglichen entsteht eine kraftvolle Dynamik. Der Wandel im Kopf ist die Voraussetzung für jede nachhaltige Entwicklung im Außen.
Herausforderungen durch Sparzwänge und die Notwendigkeit zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen
Die Rahmenbedingungen für Theater und Orchester haben sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert was den Druck auf die Effizienz erhöht hat. Sparzwänge und drohende Zuschusskürzungen zwingen viele Häuser dazu ihre Strukturen zu überdenken und neue Wege der Einnahmenerzielung zu finden. Die Kostensteigerung in fast allen Bereichen des Theaterbetriebes macht es notwendig die Ressourcen so effektiv wie möglich einzusetzen. In diesem Zusammenhang ist die Schaffung von Wettbewerbsvorteilen durch ein klares Profil und exzellenten Service wichtiger denn je. Die Kommerzialisierung und Nivellierung der Theaterarbeit wird oft als Schreckgespenst an die Wand gemalt doch professionelles Marketing bewahrt gerade die künstlerische Freiheit durch finanzielle Stabilität. Es ist kein Widerspruch hohe Kunst zu machen und gleichzeitig die Prinzipien von Marketing und Management anzuwenden. Im Gegenteil ist die wirtschaftliche Solidität die Basis auf der künstlerische Experimente überhaupt erst gedeihen können. Häuser, die ihren gesellschaftlichen Wert klar kommunizieren können, werden zu Purpose Brands – und das schützt sie in der Auseinandersetzung um öffentliche Mittel. Der kluge Umgang mit den knappen Ressourcen ist ein Gebot der Vernunft und der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.
Die Aussicht auf die Vermarktung kultureller Dienstleistungen im Vergleich zu anderen Kulturbereichen
Ein Blick über den Tellerrand zeigt dass im öffentlichen Museumsbereich bereits beachtenswerte Erfolge in der Besucheransprache und Profilbildung erzielt worden sind. Diese Häuser haben oft früher erkannt dass die Vermarktung kultureller Dienstleistungen und Produkte eine spezialisierte Herangehensweise erfordert. Dabei lassen sich verschiedene Methoden der Zielgruppenansprache nutzen die in Theatern und Opernhäusern gleichermaßen wirksam sein können. Es geht nicht darum die Identität eines Museums auf ein Theater zu übertragen sondern die zugrunde liegenden Mechanismen des Erfolgs zu verstehen. Kulturinstitutionen stehen heute alle vor ähnlichen Herausforderungen was die Gewinnung und Bindung von Publikum angeht. Durch Kooperationen und gemeinsames Lernen lässt sich die Schlagkraft der gesamten Branche erhöhen. Die Professionalität mit der andere Sparten ihre Dienstleistungen präsentieren sollte Ansporn sein die eigenen Anstrengungen zu intensivieren. Ein moderner Kulturbetrieb ist immer auch ein lernender Betrieb der sich stetig weiterentwickelt.
Zusammenfassende Betrachtung der dauerhaften Befriedigung der Kundenbedürfnisse und die Rolle der Marketingabteilung
Abschließend lässt sich festhalten dass eine dauerhafte Befriedigung der Kundenbedürfnisse verwirklicht werden kann wenn Marketing als Kernaufgabe verstanden wird. Die dabei erforderlichen konzeptionellen Grundlagen müssen von allen Beteiligten getragen und im Alltag konsequent umgesetzt werden. Ein modernes Theatermarketing ist weit mehr als Werbung es ist die Kunst das richtige Stück zur richtigen Zeit dem richtigen Publikum zugänglich zu machen. Die Marketingabteilung fungiert dabei als Schnittstelle und Impulsgeber für das gesamte Haus. Wer sich den Herausforderungen des Marktes mit Kompetenz und Leidenschaft stellt wird langfristig belohnt werden. Die Zukunft des Theaters liegt in der Verbindung von künstlerischer Exzellenz und strategischer Klugheit. Das Theater hat die Kraft Menschen zu bewegen und professionelles Marketing sorgt dafür dass diese Kraft ihr Publikum auch findet.
Stefan Mannes ist Geschäftsführer der Berliner Kommunikationsagentur kakoii und berät Theater, Bühnen und Kulturinstitutionen in Strategie, Marke und Kommunikation. Beratung und Workshops: Theatermarketing, Kulturmarketing. Übersicht: Kulturmarketing. Wer das Gespräch sucht, ist willkommen: Kontakt.
Fachliteratur
Boerner, Sabine: Führung und Erfolg in Kulturbetrieben. Empirische Untersuchungen am Beispiel von Theatern. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2002.
Klein, Armin: Kulturmarketing. Das Marketing-Konzept für Kulturbetriebe. 4. Auflage, München: Vahlen 2020.
Kotler, Philip; Scheff, Joanne: Standing Room Only. Strategies for Marketing the Performing Arts. Boston: Harvard Business School Press 1997.
Mandel, Birgit (Hrsg.): Audience Development, Kulturmanagement, Kulturelle Bildung. Konzeptionen und Handlungsfelder der Kulturvermittlung. München: kopaed 2008.
Rösner, Hans-Ulrich: Kulturmarketing. Grundlagen und Praxis. Stuttgart: Kohlhammer 2019.
Internetquellen
Deutscher Bühnenverein: Statistiken und Publikationen zum deutschen Theaterbetrieb. https://www.buehnenverein.de
Kulturmanagement Network: Fachbeiträge zum Thema Marketing und Kommunikation im Kulturbetrieb. https://www.kulturmanagement.net
Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft: Publikationen und Studien zur Kulturentwicklung. https://www.kupoge.de