Wissenschaftskommunikation: Grundlagen, Ziele und Methoden

Wissenschaftskommunikation: Übersetzen statt vereinfachen. Zielgruppen, Eventkommunikation, gesellschaftliche Relevanz. Grundlagen für Forschung.

Wissenschaftskommunikation macht wissenschaftliches Wissen, Methoden und Fragen zugänglich und ermöglicht den Austausch darüber. Sie findet zwischen Forschenden statt, in Medien, in Bildungseinrichtungen und im Gespräch mit Politik und Öffentlichkeit. Gute Kommunikation erklärt auch, wie Erkenntnisse entstehen, wie belastbar sie sind und wo ihre Grenzen liegen.

Die Aufgabe ist anspruchsvoll: Eine verständliche Aussage soll Orientierung geben, ohne mehr Gewissheit zu versprechen, als die Forschung hergibt. Dafür braucht es Entscheidungen darüber, was für ein bestimmtes Publikum wichtig ist. Fachsprache einfach durch Alltagssprache zu ersetzen, reicht häufig nicht.

Was Wissenschaftskommunikation leisten soll

Je nach Anlass hat Wissenschaftskommunikation unterschiedliche Ziele. Sie kann Neugier wecken, Forschungsergebnisse erklären, wissenschaftliche Arbeitsweisen nachvollziehbar machen oder Menschen an einer Diskussion beteiligen. Auch kritische Rückfragen und gesellschaftliche Erfahrungen können in die Wissenschaft zurückwirken.

Institutionelle Wissenschafts-PR verfolgt daneben Ziele einer Hochschule oder Forschungseinrichtung, etwa Sichtbarkeit und Profilbildung. Wissenschaftsjournalismus arbeitet mit einer eigenen redaktionellen Perspektive. Wer beide Rollen sauber unterscheidet, erleichtert dem Publikum die Einordnung: Spricht hier eine Institution über ihre Arbeit oder eine unabhängige Redaktion?

Aus mehr Information folgt nicht automatisch mehr Vertrauen oder ein anderes Verhalten. Menschen bringen Erfahrungen, Werte und unterschiedliche Fragen mit. Kommunikation muss daran anknüpfen und offenlassen, dass eine gut informierte Person zu einer anderen Bewertung kommen kann.

Zielgruppen: Welche Frage beantwortet die Forschung für wen?

„Die Öffentlichkeit“ ist für die Planung meist zu ungenau. Fachkollegen benötigen andere Informationen als eine Schulklasse, eine Wissenschaftsredaktion oder ein parlamentarischer Ausschuss. Auch innerhalb dieser Gruppen unterscheiden sich Vorwissen und Interessen.

Für Journalisten sind Neuigkeit, Belege und gesellschaftliche Bedeutung wichtig. Politische Entscheider fragen nach Handlungsmöglichkeiten, Folgen und offenen Fragen. Menschen ohne fachlichen Hintergrund möchten zunächst verstehen, worum es geht und weshalb sich die Beschäftigung damit lohnt. Bei Grundlagenforschung kann schon ein neuer Blick auf die Welt ein guter Anlass sein. Nicht jede Erkenntnis braucht ein sofort nutzbares Produkt.

Ein brauchbares Kommunikationsziel beschreibt deshalb das gewünschte Ergebnis: Sollen Menschen eine Methode verstehen, an einer Veranstaltung teilnehmen oder eine Entscheidung besser beurteilen können? Erst danach wählen wir Format, Sprache und Kanal.

Komplexität reduzieren, ohne den Befund zu verändern

Jede öffentliche Darstellung trifft eine Auswahl. Gute Vereinfachung lässt unwichtige Einzelheiten weg und erhält die Informationen, die für das Verständnis und die Bewertung notwendig sind. Schlecht wird sie, wenn aus einer Möglichkeit eine Gewissheit oder aus einem Zusammenhang eine bewiesene Ursache wird.

Mein Arbeitsbegriff dafür ist Übersetzung: Welche Erklärung hilft diesem Publikum, den Kern zu verstehen? Ein Bild, ein Vergleich oder ein konkretes Beispiel kann einen Zugang schaffen. Dabei müssen die Grenzen des Vergleichs erkennbar bleiben. Ein Atom ist kein kleines Sonnensystem, auch wenn das Bild für einen ersten Gedanken nützlich sein kann.

Für die redaktionelle Prüfung helfen drei Fragen: Was wurde tatsächlich untersucht? Was lässt sich daraus schließen? Was wissen wir noch nicht? Eine verständliche Antwort darf kurz sein. Die Einschränkung, von der die Aussage abhängt, darf nicht im Kleingedruckten verschwinden.

Unsicherheit, Quellen und Interessenkonflikte erklären

Eine einzelne Studie ist nicht mit dem Forschungsstand gleichzusetzen. Für die Einordnung sind unter anderem Studiendesign, Datenbasis und andere Befunde wichtig. Ein Preprint sollte als solcher bezeichnet werden. Ebenso muss deutlich werden, wenn ein Ergebnis noch nicht unabhängig geprüft wurde.

Auch die Formulierung von Zahlen verdient Aufmerksamkeit. Relative und absolute Veränderungen können sehr unterschiedliche Eindrücke erzeugen. Wer ein Risiko oder einen Effekt beschreibt, sollte die Bezugsgröße nennen und erklären, für welche Gruppe die Aussage gilt.

Zur Transparenz gehören überprüfbare Quellen, die Finanzierung einer Untersuchung und relevante Interessenkonflikte. Korrekturen müssen möglich sein. Wenn sich ein Befund verändert, sollte auch die Kommunikation dazu aktualisiert und die Änderung nachvollziehbar gemacht werden.

Welche Methoden und Formate passen?

Eine Pressemitteilung kann Redaktionen auf einen Befund aufmerksam machen. Ein Erklärvideo hilft, einen Ablauf sichtbar zu machen. Ein Podcast bietet Raum für ein längeres Gespräch. Eine Ausstellung kann mit Originalen und räumlichen Erfahrungen arbeiten. Das passende Format ergibt sich aus dem Inhalt und der Situation des Publikums.

Dialogformate brauchen zusätzlich eine klare Erwartung: Welche Fragen sind offen, wer kann sich beteiligen und was passiert mit den Beiträgen? Ein Bürgerdialog ist etwas anderes als ein Vortrag mit anschließender Fragerunde. Citizen Science geht weiter, wenn Menschen tatsächlich an Forschungsarbeit mitwirken.

Digitale Kanäle können den Zugang erleichtern, verlangen aber redaktionelle Betreuung. Wer auf Social Media wissenschaftliche Fragen eröffnet, sollte auch Antworten und Rückfragen einplanen. Eine kleine Zahl gut betreuter Formate ist für viele Einrichtungen realistischer als die gleichzeitige Präsenz auf jeder Plattform.

Praxisbeispiel: Metascience verständlich machen

Bei meiner Arbeit an der Kommunikation des Metascience-Symposiums 2019 in Stanford stand eine besondere Frage im Mittelpunkt: Wie lässt sich Forschung über Forschung für Menschen interessant machen, die nicht selbst zu diesem Thema arbeiten?

Metascience untersucht beispielsweise, wie zuverlässig Forschungsergebnisse sind und welche Bedingungen wissenschaftliche Arbeit verbessern können. Die kommunikative Aufgabe beginnt damit, die Bedeutung dieser Fragen zu erklären. Wer sich auf Studien stützt, möchte wissen, wie belastbar deren Ergebnisse sind. Von dort aus lassen sich Methoden, Replikation und wissenschaftliche Anreize verständlich erschließen.

Mehr zu diesem Projekt und anderen Aufgaben erläutere ich im Interview zur Wissenschaftskommunikation. Entscheidend ist dabei die Verbindung von fachlicher Genauigkeit und einer Frage, die das jeweilige Publikum interessiert.

Wissenschaftliche Veranstaltungen vor, während und nach dem Termin

Eventkommunikation beginnt mit der Einladung an das passende Publikum. Vor einem Symposium muss verständlich werden, welche Fragen diskutiert werden und für wen sich die Teilnahme lohnt. Große Namen können helfen; sie ersetzen diese Erklärung nicht.

Während der Veranstaltung können moderierte Berichte, kurze Einordnungen und zugängliche Mitschnitte zusätzliche Menschen erreichen. Vorher sollte geklärt sein, welche Inhalte veröffentlicht werden dürfen und wer fachliche Aussagen freigibt. Anschließend lassen sich zentrale Diskussionen vertiefen und für andere Zielgruppen aufbereiten.

Für Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsstandorte lohnt dabei der Blick über den einzelnen Termin hinaus: Welche Fragen sollen mit der Institution verbunden werden und welche Beziehungen möchten wir dauerhaft pflegen?

Wirkung prüfen und die Organisation mitnehmen

Die Bewertung muss zum Ziel passen. Reichweite sagt etwas über mögliche Kontakte aus. Sie zeigt noch nicht, ob Menschen eine Aussage verstanden haben. Rückfragen, kurze Verständnistests, Teilnahme an Angeboten oder qualitative Gespräche können andere Hinweise liefern.

Dafür braucht es interne Zuständigkeiten, Zeit und ein Budget. Forschende, Kommunikationsteams und Leitung sollten früh miteinander klären, wer welchen Beitrag leistet. Wissenschaftskommunikation wird unnötig schwierig, wenn sie erst beginnen darf, nachdem alle anderen Entscheidungen gefallen sind.

Im Bereich Wissenschaft, DeepTech und Innovation verbinde ich diese Fragen mit Positionierung und Strategie. Für die Arbeit am eigenen Material biete ich Beratung und Workshops zur Wissenschaftskommunikation an.

Weiterführende Leitlinien

Die Leitlinien zur guten Wissenschaftskommunikation von Wissenschaft im Dialog und Bundesverband Hochschulkommunikation, überarbeitet 2025, bieten eine Grundlage für die Qualitätsprüfung. Sie verbinden fachliche Verantwortung mit Transparenz und einer nachvollziehbaren Kommunikationspraxis.

Über den Autor

Stefan Mannes ist Kommunikationsexperte für Wissenschaftsthemen. Er berät Forschungseinrichtungen, wissenschaftliche Institutionen und Organisationen in Strategie, Narrativ und Kommunikation.
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