RTL2: Warum Facebook Fundraising und Crowdfunding anbietet
Die Crowdfunding-Welle hat Facebook erreicht. Das soziale Netzwerk testet seit kurzem eine entsprechende Funktion. Noch ist sie Non-Profit-Organisationen vorbehalten. Unter dem Namen „Fundraisers“ ermöglicht es gemeinnützigen Organisationen direkt auf der Plattform Spenden zu sammeln. Das Tool wird derzeit von 37 Organisationen, wie dem WWF, getestet. Wann das Tool auch Organisationen aus anderen Ländern zur Verfügung steht und ob es zukünftig auch kommerzielle Anliegen unterstützt, lässt der Konzern noch offen.
Das Prinzip ist einfach. Mit „Fundraisers“ erstellt man eine Facebookseite – vergleichbar mit einer Veranstaltungsseite. Dort befinden sich alle Infos zum Projekt sowie der aktuelle Spendenstand und natürlich ein Spendenbutton, der das direkte Bezahlen über Facebook möglich macht.
Aber was bewegt Facebook, neben den etablierten Portalen, jetzt auch noch eine Crowdfunding-Funktionalität anzubieten? RTL II News befragte kakoii Geschäftsführer und Marketingexperten Stefan Mannes zu diesem Vorgehen. Er führte dies auf drei Punkte zurück.
Erstens wird Crowdfunding immer bedeutender. Es ist die Demokratisierung des Finanzierungsmarktes. Egal ob es 1.000 Euro für ein soziales Anliegen oder 1 Million Euro für ein Biotech-Startup sind – die Initiatoren sind heute nicht mehr von Venture-Capital-Gebern, geschweige denn Banken, abhängig. Eine gute Idee, die Menschen begeistern kann, findet heute ihre Finanzierung gegen alle professionellen Zweifler.
Zweitens hängen Spendensammeln und Finanzierungen in umfassendem Maße von unseren sozialen Netzwerken ab. In beiden Fällen geht es darum, möglichst viele Menschen persönlich und nachhaltig zu erreichen. Und genau das ist der Kern von Facebook. Hier pflegen wir unsere Freundschaften und teilen sowohl unsere Sorgen als auch unser Glück. Kein anderer Platz im Internet ist besser geeignet, um Freunde für ein gemeinsames Projekt zu begeistern. Ganz konkret: Wird die Fundraisers-Seite geteilt, zeigt es den Spendenbutton im Newsfeed an und jeder kann direkt spenden. Dieselbe Logik kennt das klassische Fundraising: Identifikation und Zugehörigkeitsgefühl sind die stärksten Spendentreiber.
Drittens ist Facebook ein geschlossenes Universum. Früher verliefen die sogenannten Medienbrüche von offline zu online. Heute verlaufen die Hürden binnendigital. User auf Facebook verlassen ungern das Netzwerk und die gewohnte Umgebung. Deswegen ist es nur richtig und konsequent, Informationen und Transaktionen für ein Projekt auch auf Facebook zu verlegen.
Das Interview wurde am 2. Dezember um 20:00 Uhr bei den RTL II News gezeigt.
Stefan Mannes ist Geschäftsführer der Berliner Kommunikationsagentur kakoii und berät NPOs, Hilfswerke und Stiftungen in Fundraising und digitaler Kommunikation. Mehr zu seiner Arbeit im Bereich Fundraising Beratung & Workshop und NPO & NGO: Kommunikation, Kampagnen und Fundraising. Wer das Gespräch sucht, ist willkommen: Kontakt.