Kulturmarketing als Instrument und Konzept: Für Kulturbetriebe unter Wahrung der künstlerischen Autonomie. Grundlagen und Instrumente für künstlerische Arbeit.

Konzept und Instrument für den modernen Kultursektor

Warum Kulturmarketing als strategisches Konzept an Bedeutung gewinnt

Die Kulturlandschaft im deutschsprachigen Raum durchlebt einen tiefgreifenden Wandel, der weit über ästhetische Diskurse hinausreicht und die institutionellen Grundlagen ganzer Sparten erfasst. Sinkende öffentliche Zuwendungen, ein grundlegend verändertes Freizeitverhalten und die fortschreitende Digitalisierung stellen Kultureinrichtungen vor Herausforderungen, die ohne professionelle Steuerungsinstrumente kaum mehr zu bewältigen sind. Das Thema Kulturmarketing hat sich in diesem Kontext von einer Randerscheinung zu einem zentralen Handlungsfeld entwickelt, das über die Zukunftsfähigkeit ganzer Institutionen entscheidet. Dabei geht es keineswegs darum, Kunst und Kultur den Gesetzen des kommerziellen Marktes zu unterwerfen. Vielmehr verfolgt ein professionell aufgesetztes Vorgehen das Ziel, kulturell wertvolle Angebote so zu kommunizieren und zu gestalten, dass sie ihr Publikum tatsächlich erreichen, ohne ihren inhaltlichen Kern preiszugeben. Kulturbetriebe stehen vor der Aufgabe, ihre gesellschaftliche Relevanz in einer zunehmend fragmentierten Öffentlichkeit unter Beweis zu stellen und gleichzeitig neue Besuchergruppen zu erschließen. Was das für einzelne Sparten bedeutet, zeigen die Grundlagenartikel zu Museumsmarketing, Theatermarketing und Opernmarketing. Die systematische Beschäftigung mit Besucherbedürfnissen, Positionierung und Kommunikationsstrategien dient letztlich der Erfüllung des kulturellen Auftrags, den jede Einrichtung für sich definiert hat.

Lorenz Pöllmann und die wissenschaftliche Fundierung des Kulturmarketings

Die wissenschaftliche Durchdringung dieser Disziplin ist im deutschsprachigen Raum maßgeblich mit dem Namen Lorenz Pöllmann verbunden, der das Fachgebiet durch seine Publikationen und seine akademische Tätigkeit nachhaltig geprägt hat. Lorenz Pöllmann lehrt und forscht zum Medien- und Eventmanagement an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft und verbindet dabei theoretische Reflexion mit praxisnaher Anwendungsorientierung. Sein Blick aus der Perspektive des Kulturmanagements auf verschiedene Kulturinstitutionen wie Theater, Museen, Orchester, Clubs oder Festivals eröffnet einen systematischen Zugang zu einem Feld, das lange Zeit vorwiegend intuitiv bearbeitet wurde. Pöllmann zeigt in seinen Arbeiten, wie Kulturbetriebe unter Wahrung der künstlerischen Autonomie ein modernes Verständnis von zielgerichtetem Handeln entwickeln können. Sein Ansatz verbindet Erkenntnisse aus dem Kulturmanagement mit konkreten Handlungsempfehlungen und schafft so eine belastbare Brücke zwischen akademischer Theorie und institutioneller Praxis.

Das Kulturmarketing-Canvas als zentrales Instrument der strategischen Planung

Ein besonders wirkungsvolles Werkzeug ist das Kulturmarketing-Canvas, das einen strukturierten Rahmen für die Entwicklung umfassender Strategien im Kultursektor bietet. Dieses Modell verbindet die Marketinganalyse mit der strategischen Planung und der operativen Umsetzung in einem zusammenhängenden Rahmenwerk. Es beginnt mit einer fundierten Analyse der Ausgangslage, die sowohl interne Ressourcen als auch externe Rahmenbedingungen systematisch erfasst. Die Identifikation von Nutzendimensionen bildet die Grundlage für eine differenzierte Positionierung gegenüber dem Wettbewerb. Der Marketing-Mix wird im Rahmen des Canvas auf die Besonderheiten des Kultursektors zugeschnitten und umfasst Entscheidungen zur Leistungs-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik. Die Publikumsforschung fließt als empirische Grundlage in die Bestimmung der Zielgruppe ein und ermöglicht eine differenzierte Ansprache, die über pauschale demographische Kategorien hinausgeht. Ein datengetriebener Ansatz, wie er im B2B-Marketing längst Standard ist, kann auch hier den Unterschied machen. Das Canvas lässt sich sowohl auf große staatliche Häuser als auch auf kleine, freie Initiativen anwenden.

Wie Lorenz Pöllmann Konzept und Instrument in die Praxis überführt

Die Implementierung des Marketingkonzepts stellt für viele Kultureinrichtungen die größte Herausforderung dar. Pöllmann adressiert diese Schwierigkeit, indem er ein künstlerisch sensibles Verständnis voranstellt, das die inhaltlich motivierte Programmgestaltung nicht verdrängt, sondern gezielt ergänzt. Evaluation und Controlling sind dabei unverzichtbare Bestandteile eines jeden professionellen Prozesses. Auch Themenfelder wie Kulturtourismus und Barrierefreiheit haben erheblich an Relevanz gewonnen. Museen, die ihren gesellschaftlichen Wert klar kommunizieren können, werden zu Purpose Brands – nicht durch Behauptung, sondern durch Sichtbarkeit der eigenen Arbeit. Nicht jedes Haus kann oder will eine Vollzeit-Marketingleitung einstellen – hier kann ein Fractional CMO die strategische Lücke schließen. Die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Anwendbarkeit macht den Ansatz von Pöllmann zu einem unverzichtbaren Referenzpunkt für alle, die sich professionell mit Kulturmarketing auseinandersetzen.

Das Standardwerk – eine Einordnung

Für alle, die sich vertieft mit den Grundlagen dieses Fachgebiets beschäftigen möchten, bietet das Werk von Pöllmann einen umfassenden und zugleich praxisorientierten Einstieg. Die aktuelle Auflage erschien 2023 und wurde gegenüber früheren Ausgaben deutlich erweitert, um aktuellen Entwicklungen im digitalen Bereich und in der Besucherforschung gerecht zu werden. Die Sprache des Werkes ist Deutsch, was für den deutschsprachigen Kultursektor von besonderem Vorteil ist. Unter der ISBN-13 978-3-658-41579-1 ist das Buch im Fachhandel erhältlich. Die klare Struktur und die nachvollziehbare Argumentation machen das Werk zu einem der wichtigsten deutschsprachigen Beiträge zur Professionalisierung des Kulturmanagements. Weiterführende Einblicke aus der Praxis bieten die Interviews zum Museumsmarketing, Theatermarketing und Opernmarketing.


Stefan Mannes ist Geschäftsführer der Berliner Kommunikationsagentur kakoii und berät Museen, Theater, Opern und Kulturinstitutionen in Strategie, Marke und Kommunikation. Mehr zu seiner Arbeit: Kulturmarketing. Beratung und Workshops: Kulturmarketing, Museumsmarketing, Theatermarketing, Opern & Festspiele. Wer das Gespräch sucht, ist willkommen: Kontakt.

Fachliteratur

Pöllmann, Lorenz: Kulturmarketing. Grundlagen, Konzepte, Instrumente. 2., aktualisierte Auflage. Wiesbaden: Springer Gabler 2023.

Klein, Armin: Kulturmarketing. Das Marketingkonzept für Kulturbetriebe. 3. Auflage. München: dtv 2011.

Hausmann, Andrea: Kunst- und Kulturmanagement. Kompaktwissen für Studium und Praxis. Wiesbaden: VS Verlag 2011.

Günter, Bernd; Hausmann, Andrea: Kulturmarketing. 2. Auflage. Wiesbaden: Springer VS 2012.

Colbert, François: Marketing Culture and the Arts. 3. Auflage. Montréal: HEC Montréal 2007.

Internetquellen

Deutscher Kulturrat – Fachportal für Kulturpolitik

HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft

Kulturmanagement Network – Wissensplattform für Kulturschaffende

  • 21. Februar 2022